Der Letzte um ist schlimmer

Der Leipzig-Rückblick von Maurice
„Es gibt nicht so viel, was schlimmer ist, als im Weltcup-Springen gleich den ersten Sprung um zu haben – naja, der letzte ist noch schlimmer. Trotzdem war das für mich in Leipzig mit Don Diarado natürlich mega ärgerlich. Der erste Sprung war allerdings auch schon ein ganz schön dickes Ding, ein 1,50-Meter hoher Karree-Oxer. Einen Karree-Oxer hat man als ersten Sprung im Parcours eher selten, aber ob das nun eine Rolle gespielt hat? Ich weiß es nicht – normalerweise mag 'Don' lieber einen Oxer zu Beginn als einen Steilsprung. Nach dem Fehler habe ich noch versucht, etwas über die Zeit rauszuholen. Das hat auch ganz gut geklappt. Am Ende wurden wir mit dem schnellsten Vier-Fehler-Ritt Neunte.
Wenn man den Beginn des Turniers bedenkt, war das eine echt gute Leistung von Don Diarado. Als wir in Leipzig ankamen, machte sich bei ihm ein Hufgeschwür bemerkbar. Wir haben das Eisen abgemacht, ihn ausgeschnitten und zwei Tage gut mit einem Verband eingepackt. Das Hufgeschwür ist Gott sei Dank super abgeheilt, so dass er am Samstag wieder fit war. Ich habe daraufhin mit ihm im 1,45-Meter-Zeitspringen eine ruhige Einlaufrunde gedreht, um ihn auf Sonntag vorzubereiten, und Camilla hat die schwere Prüfung, das Championat von Leipzig, übernommen. Bedenkt man also seinen Einstieg ins Turnier, hat Don Diarado einen wirklich guten Job im Weltcup gemacht.
Und Camilla hat sich auch tapfer geschlagen. Sie geht bei den Fünf-Sterne-Turnieren sonst eher die Zweitprüfungen. Das Championat war richtig schwer gebaut, am Ende gab es gerade mal zwei Nuller. Mit nur einem Abwurf landete Camilla auf Platz elf, damit war ich zufrieden. Und Quinto ist Fünfter im Finale der Achtjährigen geworden. Das war sehr ordentlich.
Insgesamt war das Glück zwar nicht zu 100-Prozent auf meiner Seite – Camilla eine Stange am Samstag, Don Diarado eine Stange am Sonntag – aber die Pferde sind gut gesprungen! Das ist die Hauptsache.
Ich habe mir außerdem ganz bewusst den Goldenen Sattel angeguckt – da bin ich früher ja auch mitgeritten. Es war wirklich auffällig, dass die Kandidaten insgesamt in diesem Jahr reiterlich richtig stark waren. Das Niveau war noch mal ein anderes als in den Vorjahren. Ganz spannend ist in Leipzig auch immer der Freispring-Wettbewerb. Ein, zwei sehr ordentliche Pferde waren auch in diesem Jahr dabei.
Leipzig ist immer ein schönes Turnier. Ein Turnier, das mit den Zuschauern steht. Die Tribünen sind voll und die Leute voll begeistert. Es macht schon wirklich Spaß, da zu reiten. Außerdem ist der Boden super und die Bedingungen gut. Wenn man ein schwieriges Pferd hat, dann kann allerdings der große Abreiteplatz in Halle 3, mitten in der Ausstellung, zu einer Herausforderung werden. Die Unruhe rund um den Abreiteplatz ist enorm. Ansonsten trifft man in Leipzig auch immer eine ganze Menge Leute, sitzt nett zusammen und genießt die Zeit.
Also: Nächstes Jahr gerne wieder nach Leipzig, dann vielleicht noch mit dem letzten Quäntchen Glück :-)“